Zuckerfest in Lörrach

Von süßen Hamburgern und Dabke Tanz

Ein strahlend blauer Tag kündigt heute das Ende des Ramadan an. Die vergangenen vier Wochen prägte der muslimische Fastenmonat unsere Kochabende. Abend für Abend haben wir im Container das Fasten gebrochen und erst nach Sonnenuntergang gegessen. Traditionell wird hierzu eine ungerade Zahl an Datteln gereicht, die den Zuckerhaushalt der Fastenden schnell wieder ins Gleichgewicht bringen soll. In großer Runde mit über 30 Frauen, Männern, Kindern und Großeltern, Nachbarn und Freunden verbrachten wir stimmungsvolle Abende an stets reich gedeckten Tafeln. Gemeinsam mit so vielen Menschen das Fasten zu brechen war immer wieder etwas ganz Besonderes.

 
Bilder: Ute Peppersack

Heute, am Ende der Fastenzeit steht das Zuckerfest. Drei Tage lang wird ausgelassen gefeiert, Freunde und Verwandte werden besucht, die Kinder mit Süßigkeiten beschenkt und natürlich: gegessen, gegessen, gegessen.
Das wollen wir uns nicht nehmen lassen und wir organisieren ein Zuckerfest im Container. Wir haben keine Ahnung wie viele kommen werden, wir öffnen lediglich die Türen des Containers und stellen ein paar Liegestühle auf. Wir haben alle sind eingeladen – und: alle kommen!

Punkt 15 Uhr strömen die Gäste mit Kuchen, Süßspeisen, aufwendigen Reisgerichten und meterlangen Hefezöpfen Richtung Container und füllen im Nu das offene Buffet. Schon bald ist keine Gabel mehr sauber, kein Teller mehr an seinem Platz und wer um halb fünf noch etwas zu essen möchte, der ist schon fast zu spät.

   
Bilder: Ute Peppersack

Wie schön zu sehen, dass es oft genügt, eine Einladung auszusprechen, das Fest aber bringen die Gäste selber mit. Rund um den Container wird auf Decken, Bänken und Liegestühlen gegessen und gelacht. Wiga aus Deutschland hat ihre bunte Schminke dabei und schon bald ist sie von Kindern umringt, die sie in Tiger, Schmetterlinge und Superhelden verwandelt.

Saman und seine Musiker aus Syrien haben Instrumente und einen Verstärker organisiert und gemeinsam mit Rapper Moses aus Sierra Leone entsteht Fusionsmusik vom Feinsten. Bald wird das Mikrofon herumgereicht und ein Gast nach dem anderen wird spontan zu seinem Lieblingslied begleitet. Spätestens beim gemeinsamen Dabke-Tanz im großen Kreis haben wir den Überblick darüber verloren, wie viele Menschen hier gerade den Rathausplatz in ein spontanes Stadtfest verwandelt haben. Fast 300?! Viele kennen wir bereits von Kochabenden, andere sind mit Freunden oder Verwandten gekommen. Afghanistan, Schweiz, Gambia, Syrien, Deutschland, Iran, Sierra Leone, Frankreich, Indien… Menschen aus den verschiedensten Ländern feiern hier gerade gemeinsam – manche hören das Wort Zuckerfest heute zum ersten Mal, für andere ist es eines der wichtigsten Feste im ganzen Jahr. Für die einmalige Stimmung sorgen sie alle.

 
Bilder: Ute Peppersack

Ghalia steht auf der Terrasse des Containers und schaut hinaus auf den tanzenden Platz. „Das ist wie bei uns in Syrien!“, sagt sie lachend und ein schöneres Kompliment an das ausgelassene Zuckerfest im Container Lörrach hätte es wohl nicht geben können.